10.  Car-HiFi   Leitungen

Traum oder Wirklichkeit?

Lautsprecherleitungen und laufrichtungsgebundene Kabel

für mehrere hundert Euro pro Meter!

Leitungen (Cinch-Leitungen / Lautsprecherkabel)

 

Zu diesem Thema gibt es bereits tausende von Diskussionen und Beiträge im Internet sowie in der entsprechenden Fachpresse, zum Teil kontrovers diskutiert. Nachfolgend möchte ich kurz und knapp, möglichst einfach, auf das Thema „Leitungen“, spez. im Kfz eingehen. Wer mehr wissen möchte, dem sei empfohlen die wissenschaftlichen Informationen (Leitungstheorie uva.) selbst zu recherchieren, da es an dieser Stelle den Rahmen sprengen würde.

 

Die Empfindlichkeit  und  Präzision  der  modernen  Messtechnik liegt

heute mind. 1000mal höher als die Empfindlichkeit des menschlichen

Ohrs!  Dennoch   scheint  es   Menschen  zu  geben,  die  die  mess-

technische  Empfindlichkeit   noch um  das  mehrfache   übertreffen.

Leider  konnte  sich  das  in  zahlreichen  Tests  nicht  bestätigen. Es

bleibt somit oft eine Glaubensfrage.

 

Obwohl das menschliche Ohr im Vergleich zu anderen Lebewesen in 

der  Natur  mit  zu  den  empfindlichsten  gehört, sind diesem Sinnes-

organ  Grenzen  gesetzt. Ein "gutes" Ohr kann z.B.  Lautstärkeunter-

schiede  von  etwa 1..2dB  und  sogar  im empfindlichsten Frequenz-

bereich   eine   Frequenz   von 1000Hz  und  1003Hz  unterscheiden.

 

 

Das menschliche Ohr besitzt keinen linearen Frequenzgang, je nach

Frequenz (mit konstantem Pegel) empfindet das Ohr unterschiedliche

Lautstärken dieser Frequenzen (siehe Abb. rechts). Dass nicht jedes (menschliche) Ohr das gleiche „Hörempfinden“ hat, können sie sich

selbst gut vorstellen. Probieren sie es aus. Setzen sie fünf Personen in ein Fahrzeug, die „ihren“ persönlichen Klang einstellen sollen.

 

Aufgrund des Hörempfindens werden sie feststellen das fast jeder ein anderes Klangbild einstellt. Der eine nimmt die Bässe etwas heraus, der andere hebt die Höhen an usw. Selbst ein und dieselbe Klangeinstellung wird nach ein paar Tagen geändert, obwohl technisch gesehen keine Änderung vorhanden war, nur weil das momentane persönliche „Hörempfinden“ sich geändert hat. Viele Beispiele und Aussagen von HiFi - begeisterten Menschen belegen das.

 

Selbst Unterschiede zwischen dem rechten und linken Ohr sind keine Seltenheit. Das Ohr „wandelt“ Schallwellen in elektrische Impulse um,  die  dann  über  Nervenbahnen  zum  Gehirn  weitergeleitet  werden um es einfach auszudrücken.  Dort entsteht der Klangeindruck der am Ohr ankommenden Schalldrücke. Das vom Ohr aufgenommene Spektrum umfasst dabei, neben dem Musiksignal auch externe Geräusche und Störquellen. "Unter idealen Testbedingungen", wie akustisch optimale Räume und dergleichen, sowie  unter speziellen Testbedingungen werden der Testperson dann entsprechende Musikstücke vorgeführt. Die gleichen Komponenten können jedoch aufgrund

anderer Umgebungseinflüsse und Räumlichkeiten einen anderen Klangeindruck vermitteln, wie zum Beispiel im Auto.

 

Genau diese subjektiven Klangunterschiede macht sich (nicht nur) die Car-HiFi Industrie zu nutze. Nach dem Motto: Die Psychologie hilft uns! Als „Werkzeug“ werden dann entsprechende Fachzeitschriften und auch das Internet mißbraucht. Oft übernehmen die Redakteure entsprechende Vorlagen der HiFi-Industrie und veröffentlichen sie nur mit kleineren Änderungen. Klar, die HiFi-Industrie schaltet auch sehr teure Anzeigen in diesen Zeitschriften, da sollte man auch nicht „kritisch“ über den Werbepartner schreiben (Nicht nur die Aussagen von einigen Redakteuren bestätigen das, sondern auch Mitarbeiter gewisser Firmen die in dieser Branche tätig sind!).

 

Dabei machen sich die Marketingabteilungen entsprechende Begriffe zunutze, die aus der Hochfrequenztechnik kommen und auf die Niederfrequenztechnik herunter „transformiert“ werden. Eigenschaften wie der „Skin-Effekt“, der vorwiegend in der HF-Technik (> mehrere Megahertz) eine wesentliche Rolle spielt, werden auf ein Frequenzband von 20-20 kHz übertragen!

Sicher, treten solche Effekte auch bei niedrigeren Frequenzen auf. Was bei höheren Frequenzen einen deutlichen Einfluss hat, ist bei den niedrigeren Frequenzen auch berechenbar, aber mit einigen Stellen hinter dem Komma so gering, dass kein menschliches Ohr diese Änderung wahrnehmen kann!

 

Die Abb. zeigt das Verhalten verschiedener Durchmesser von Kupfer-

drähten  in  Bezug  auf  eine (Wechselstrom-)Widerstandserhöhung

abhängig  von  der  Frequenz. Da  die  meisten Lautsprecherleitungen

aus  einzelnen  Litzen  mit  einem Durchmesser von etwa 0,1mm bis

0,2mm  betragen,  würde  eine  geringfügige  Widerstandserhöhung

erst  ab  einer  Frequenz  von etwa > 100 kHz auftreten.

 

Da das hörbare Frequenzspektrum bei Menschen in einem Bereich

von etwa 20-20kHz liegt, glaube ich kaum das Änderungen die

5x höher liegen vom menschlichen Ohr wahrgenommen werden

können!

 

Somit ist dieses „Marketing-Argument“ nicht nachvollziehbar!

 

Ebenso wird vielfach die möglichst geringe „Induktivität“ einer Laut-

sprecherleitung für einen Klangunterschied zur Sprache gebracht. 

Die ohnehin geringe Induktivität der Leitung hängt von der Länge und

dem Durchmesser der Leitung ab. Selbst bei relativ geringen Durchmessern bzw. Querschnitten (ca. 1mm²) liegen die Induktivitätswerte bei einer Kupferleitung (ca. 10m) in einem Bereich von etwa 0,4….0,8µH (0,000.000.8H!).

 

Wird dieser Parameter bei der Berechnung des Systems (Verstärker>Leitung>Lautsprecher) mit herangezogen, so muss man feststellen, dass nennenswerte Effekte erst ab einer Frequenz von weit über 100MHz (!) auftreten. Da der angeschlossene Verstärker (Bandbreite max. 100kHz) und die Lautsprecher meist „nur“ in einem Frequenzbereich von etwa 20-20kHz arbeiten, ist es unvorstellbar das sie Änderungen im MHz-Bereich hören können! Auch dieses (Marketing-)Argument empfinde ich als Blödsinn!

 

Ach ja, hätte ich fast vergessen! Die mOhm und die Kapazität der Leitung

 

Da gibt ein Hersteller von Lautsprecherkabeln mit einer Länge von 1m (2 x 2,5 mm²) einen Widerstand von 7,8mOhm und eine Kapazität von etwa 150 pF an.

 

Ein paar Milliohm in der Lautsprecherleitung hin- oder her, wirken sich bestimmt nicht auf das Klangbild aus. Der niederohmige Verstärkerausgang (<0,1 Ohm) und der „hochohmige“ Lautsprechereingang (2…8 Ohm) würden den Unterschied von ein paar mOhm ohnehin „schlucken“ ohne das sie etwas davon bemerken (Tests belegen das!). Der damit geringe Leistungsverlust im Kabel ist nicht hörbar. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie einen Unterschied zwischen 500W, voller Lautstärke und 490W hören können. Wenn ja, ist ihr Ohr empfindlicher als die Messtechnik! Ich würde sie sofort als „Pegelmesser“ einstellen!

 

Die Kapazität der Lautsprecherleitung soll sich auch auf das Klangbild auswirken. Grundsätzlich verursachen (schädliche) Kapazitäten eine Dämpfung von hohen Frequenzen. Hörbar aber nur, wenn die Kapazitätswerte bestimmte Größenordnungen überschreiten! Prinzipiell kann man sagen, dass die Lautsprecherkabel an einem niederohmigen System angeschlossen sind. Geringe Kapazitätswerte in einem Bereich von etwa einigen hundert pF bis einigen nF (1-2nF) treten eher weniger in Erscheinung. Nur zur Info, 1nF=0,000.000.001F!

Auch hier liegt die Wirkung dieser Werte in einem eher höheren Frequenzbereich als dem des menschlichen Ohrs.  

 

Soweit ich feststellen konnte, werden solche (Spezial-)Leitungen im professionellen Studiobereich nicht eingesetzt. Die Verkabelungen dort, werden in der Regel mit qualitativ  hochwertigen Leitungen durchgeführt, ohne dass dabei exorbitante Preise für Kabel gezahlt werden. Interessant ist wirklich, dass fast alle Marketing-Argumente außer unserem Hörbereich liegen! Viele Beispiele belegen das!

 

An dieser Stelle beginnt die Glaubensfrage -  „HiFi-Voodoo“

 

Genau hier setzt die Car-HiFi Industrie an, um den ahnungslosen Anwender (Käufer) das Geld aus der Tasche zu ziehen. Dabei muss unterschieden werden zwischen zwei Käuferschichten, die einen, die unbedingt aus „Statusgründen“ das neueste und beste (teuerste) kauft (…Ich habe das teuerste, das Beste! Das muss gut sein!….). Die anderen, die sich alles einreden lassen und aufgrund eines mangelnden Sachverstandes und/oder falsche Informationen oft überteuerte Komponenten kaufen.

 

Wie bereits angesprochen wurde, ist der Klangeindruck subjektiv. Dabei spielt auch die Sitzposition im Fahrzeug eine Rolle (wenn man es genau nimmt) usw. Eine CD (Musikaufnahme) wird schließlich im Studio erstellt und nicht im Auto! Vielmehr tritt im Kfz bei den meisten der sogenannte „Sound“ in den Vordergrund. Einem Sound, den man kaum mit dem Original vergleichen kann! Zudem hat man festgestellt, dass die „Kombination“, die Abstimmung der Geräte untereinander, eine wesentliche Rolle spielt. So wurde auch festgestellt, dass auch beim Einsatz eines 500,- Euro Lautsprecherkabels, sich unterschiedliche Klangbilder ergeben wenn Verstärker und/oder Lautsprecher geändert wurden!

 

Ebenso wurde festgestellt, dass die Lage der Lautsprecherleitung (oder auch Cinchleitung) eine Rolle spielen kann. Liegt die Leitung in der Nähe von Störquellen, können sich Beeinflussungen auf die Leitung ergeben, die dann auch den „Klang“ manipulieren können.

 

Eine richtige „Abstimmung“ zu finden ist nicht einfach. Zumal sich in jeder Fahrgastzelle meist andere Umgebungsbedingungen vorfinden, solange es sich nicht um den gleichen Fahrzeugtyp handelt. Für den Klangeindruck ist letztendlich die optimale Abstimmung der einzelnen Komponenten untereinander verantwortlich. Das sieht auch Dieter Burmester so, der dafür sogar heilige Kühe schlachten würde, wie er den einen Beitrag auf drive&style schreibt. Burmester ist Chef seiner Audio-High-End-Manufaktur in Berlin und hat für Porsche eine Anlage konstruiert, die ein Konzertsaal-Gefühl verspricht. Seine These: Die Komponenten müssen aufeinander abgestimmt werden!.

 

„Laufrichtungsgebundene Kabel“

 

„Magnete in der Benzinleitung“, „Pillen für den Tank“, dass alles wurde schon vorgestellt um den Kraftstoffverbrauch um 10-20% zu senken!

 

Alles wurde „hochwissenschaftlich“ erklärt, die Vorgänge spielen sich physikalisch auf atomarer bzw. molekularer Ebene ab! Auch da gab es viele Kunden die diesen Blödsinn auf den Leim gegangen sind! Heute ist davon nichts mehr zu hören! ;-)

 

Jetzt, „laufrichtungsgebunden Leitungen“!

 

Leitungen die weder in der Nachrichtentechnik (z.B. Telekom), noch in der HF-Technik oder sonst wo eingesetzt werden! Nicht nur im Kfz! Das Kabel soll in der einen Richtung besser klingen als in der anderen Richtung!

 

Auch hier versucht man wieder hochwissenschaftliche Erklärungen „Marketing-technisch“ an den Mann zu bringen. Kristallstörungen auf atomarer Ebene, monokristallines Kupfer etc., sowie der exklusive Herstellungsprozess sind dabei die Schlagworte.

 

Ich hatte ein paar Leute (Profis) angesprochen, die diese Kabel im Kfz für Kunden verbaut haben. Die Aussage: Das hört man nicht wenn sie falsch angeschlossen sind! Oder: Wir haben keinen Unterschied feststellen können! Ein gewisses Lächeln dabei konnten sich die Leute nicht verkneifen.

 

Wer sich ein wenig mit den Grundlagen der Elektrotechnik beschäftigt hat, des weiß das bei Wechselstrom die Elektronen an einem Punkt Hin- und her pendeln. Je nach Stromstärke legen die Elektronen dabei in der Leitung einen Weg zurück, der sich nur in einem Bereich von wenigen Millimetern bis in den kleinen  cm-Bereich beträgt. Bei einer Bevorzugung oder Veränderung der Laufrichtung würde es zu unsymmetrien in der Signalform kommen. Die Veränderung dieser Signalform scheint sich besser anzuhören als das unverfälschte Signal. Wieder was gelernt! :-)

 

Da es sich um Wechselspannungen handelt stellt sich mir dann folgende Frage, eine positive Sinuswelle wird auf der Hin-Leitung sauber übertragen, und auf der Rückleitung (negative Halbwelle) ist die Sinuswelle verändert, da  auch die Laufrichtung „entgegengesetzt“ ist? Komisch! Ich würde so ein Kabel wegwerfen!

 

„Laufrichtungsgebundene Kabel“ haben in der Regel zwei „Schirmungen“, eine ist vom Anfang bis zum Ende am Stecker verbunden. Die zweite Schirmung liegt nur an einer Seite des Steckers an. Grund hierfür ist die Ableitung kapazitiver Störfelder vom Kabel! Dieses Prinzip ist schon seit Jahrzehnten bekannt und wird in der „normalen“ Kfz-Elektrik schon lange eingesetzt. Schauen sie sich mal die Schaltpläne vom Kfz an. Da werden Sie feststellen, dass vorwiegend bei Sensorleitungen der Schirm nur auf einer Seite auf Masse liegt! Grund hierfür ist das „absaugen“ von elektrischen (nicht magnetischen!) Störfeldern auf Masse um es einfach zu formulieren. In der Regel wird auf der Quellseite die zweite Masse angeschlossen bzw. an der besseren Masse.

 

Kleiner Tipp: Sollten Sie dennoch Unterschiede an der Laufrichtung erkennen, überprüfen Sie die restliche Verkabelung ihrer Anlage sowie die Masseanschlüsse!

 

Fazit:

 

Elektrotechnik basiert auf  fundierter Physik mit all ihren Formeln und Gesetzmäßigkeiten und keiner Parapsychologie!

 

Auch mit durchschnittlich qualitativ guten Komponenten lässt sich bei entsprechender Abstimmung ein guter Klang erzeugen. Es muss nicht immer das teuerste und Beste sein. Lautsprecherleitungen für ein paar Euro/m reichen genauso wie qualitativ gute Cinch-Leitungen für wenige Euro/St. Um den gleichen Klangeindruck zu bekommen, können sie sich bei geeigneter Auswahl bestimmt 40…50% der Kosten einsparen. Investieren sie das eingesparte Geld lieber in qualitativ bessere Steckverbindungen, Endstufe und Lautsprecher. Zudem sollten Sie Kabel und Leitungen von Störquellen fernhalten.

 

Wer noch mehr über das Thema wissen möchte, der findet hier einen tollen Link mit "erschöpfenden" Informationen zu diesem Thema von der Webseite "Studio-presse.de". In einigen Fällen ist es  empfehleswert die Datei direkt auf den Rechner zu laden und separat zu öffnen. In einigen Fällen lässt sich die Datei nicht direkt über den Browser öffnen! Die Größe beträgt etwa 14Mb (51 Seiten!)

 

Die HiFi-Enthusiasten mögen mir das verzeihen!

 

 

wird fortgesetzt.....

 

 

Quelle: Wikepedia

Quelle: Sprut.de

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