Eine entladene Batterie und Startprobleme sind bei einer ansonsten intakten Stromversorgung oft Anzeichen für einen „unbekannten“  Verbraucher im Bordnetz. Ursachen hierfür sind häufig nicht abschaltende Steuergeräte, defekte Schalter (z.B. Handschuhfach, Kofferraum etc.) und Elektronikmodule die sporadisch Verbraucher wie z.B. Lampen, Gebläse usw. einschalten.

 

Ebenso können Bussysteme durch äußere und innere Einflüsse,  wie z.B. Kriechströme aufgrund von Wassereinbruch, aus dem „Schlaf“ gerissen werden und aktiv werden. Um bei den verschiedenen Fahrzeugtypen den Ruhestrom zu messen sollte das Verhalten, wann sich der Ruhestrom wirklich einstellt, bekannt sein. Bei den  Fahrzeugen heutiger Generation stellt sich dieser erst nach einer gewissen Zeitspanne (10-30min) ein. 

 

Zweckmäßigerweise wird bei der "Ruhestrommessung" ein Zangenamperemeter eingesetzt. Somit entfällt das "lästige" Öffnen der Leitung. Allerdings sei hier gesagt, dass gerade bei der Messung von niedrigen Strömen (mA) die Strommesszange aufgrund ihrer Messgenauigkeit an die Grenzen stößt.

 

Etwas genauer ist die Messung mit einem Amperemeter das zum Funktionsumfang eines  Multimeter gehört. Das bedeutet, Stromkreis öffnen und die Messung "in Reihe" durchführen!

 

Bei der Messung mit  einem gewöhnlichen Amperemeter (Multimeter) muss der Minuspol der Batterie abgeklemmt werden.

 

Dabei werden u.U. Fehlerspeicher gelöscht und Steuergeräte resetet. Dieser Effekt kann verhindert werden, wenn zum einen eine Strommesszange eingesetzt wird und zum anderen wenn vorher eine Leitung zwischen dem Minuspol der Batterie und Karosseriemasse (oder Batterie-Minusklemme) gelegt wird. Bei angeschlossener „Zusatzleitung“ wir nun die Batterie-Minusklemme gelöst und das Amperemeter eingeschleift. Ist dies erfolgt, wird während der Messung, die Zusatzleitung entfernt und nach der Messung wieder angeklemmt.

 

Zwischen Minuspol der Batterie und der Masseleitung zur Karosserie wird nun ein Amperemeter eingeschleift. Dieses sollte mindestens einen Messbereich bis ca. 20 A besitzen. In einigen Fällen können (auch bei abgezogenem Zündschlüssel) kurzzeitig Spitzenwerte von über weit über 10A fließen.

 

Bequemer gestaltet sich die Messung mit einer Stromzange, diese kann direkt an die Minusleitung der Batterie angeschlossen werden, ohne dass die Leitung geöffnet bzw. abgeklemmt werden muss. Leider stoßen die Strommesszangen bei sehr kleinen Strömen (etwa 30mA) an ihre (Mess-) Grenzen. Je nach Qualität und Ausführung können bei kleinen Strömen (etwa 30mA) schon Messfehler von bis zu +/- 20mA auftreten! Genauere Messungen liefern Amperemeter mit entsprechenden Adaptern wie am Ende des Artikels beschrieben.

 

Stromesszangen gibt es im Handel als „stand alone“ als auch als Adapter für Multimeter.

 

Optimal und auch kostengünstig (weniger als 200 €) werden im Handel auch Multimeter mit „Datenlogger-Funktion“ angeboten. Diese besitzen den Vorteil dass sie alle Messfunktionen die ein Multimeter besitzt, haben und zudem die Messwerte über mehrere Stunden abgespeichert werden können. Die Ausgabe erfolgt am Gerät selbst oder über eine USB-Schnittstell am Pc.

 

Die Ruhestrommessung

 

 

 

Bei der Ruhestrommessung sollte das Fahrzeug (nach dem die Messgeräte angeschlossen wurden)   verriegelt werden. Nach einer gewissen Zeit, vom Hersteller und Modell abhängig, sollte der Ruhestrom auf einen Wert von etwa 30-50mA absinken. In der Regel ist man gut beraten wenn der Wert des Amperemeters nach ca. 30 min abgelesen wird.

 

Liegen die Stromwerte über 50-70mA (je nach Modell) kann das bereits auf einen zusätzlichen Verbraucher hinweisen.

 

 

 

 

Die Fehlersuche wird prinzipiell folgendermaßen durchgeführt:

 

Zentraler Ausgangspunkt bei der Fehlersuche ist der Batterie-Pluspol. Von dort aus verzweigen sich die einzelnen Leitungen für die Stromversorgung und werden mit entsprechenden Sicherungen abgesichert mit Ausnahme der Starter- bzw. Anlasser-Leitung. Häufig befinden sich auf dem Weg zwischen Batteriepol und dem Verbraucher mehrere Sicherungen (z.B. 100A – 40A – 7,5A).

 

 

 

Bei der Fehlersuche sollte die Lage der einzelnen „Sicherungskästen“ und dessen Belegung bekannt sein. Bei gleichzeitiger Beobachtung des Amperemeters werden nun die einzelnen Sicherungen gezogen und dabei auf eine Stromänderung geachtet. Sinkt der Stromwert am Amperemeter beim Ziehen einer Sicherung ab, sind die daran angeschlossenen Verbraucher zu überprüfen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So sollte es sein! Abbildung unten zeigt den Stromverlauf nach dem Verriegeln des Fahrzeugs. der Anfangsstrom beträgt ca. 900mA fällt nach etwa 8 Minuten auf ca. 500mA und nach weiteren 7 Minuten auf etwa 27mA ab.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Adapter für eine Ruhestrommessung im Eigenbau

 

Im Handel befindliche Klemmen lassen sich mit ein wenig Geschick erweitern. Dazu werden noch zwei 4-mm Buchsen und ein Stück „Schweißdraht“  benötigt.

 

 

An der Vorderseite werden im 90° Winkel 2 Stahldrähte mit einer Länge von etwa 4-5cm angelötet. Diese werden am Ende etwas gebogen, damit sie beim Anklemmen an den Minuspol nicht herunter rutschen können.

 

In den beiden „Griffen“ der Klemme werden zwei 4-mm Buchsen eingelötet. Anschlüsse für die „Zusatzleitung“! Fertig ist der Adapter!

 

 

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Der Adapter  wird unter der Batterieklemme angeschlossen

 

 

Die Klemme kann unter der Polklemme angeschlossen werden und wird mit der Karosseriemasse verbunden. Somit ist ein problemloses lösen der Minusklemme nach oben möglich ohne den Stromkreis dabei zu unterbrechen. 

 

 

Nachdem die Batterie-Minusklemme gelöst wurde, kann jetzt das Amperemeter an die zweite Buchse der Adapterklemme angeschlossen werden. Die andere Messleitung des Amperemeters kann jetzt mit der Minusklemme oder der Karosseriemasse verbunden werden.

 

 

Video zur Ruhestrommessung:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf welche Punkte geachtet werden muß.

4.  Ruhestrommessung am Kfz

Ruhestrommessung mit einer Strommesszange

Reihenfolge (Prinzipdarstellung)

Vor dem Abklemmen der Minusklemme, Zusatzleitung vom Minuspol zur Batterieklemme oder Karosserie- masse verlegen.

Batterieklemme lösen

Amperemeter anschließen

     Zusatzleitung entfernen

(Strom fließt jetzt über das Amperemeter)

Plusanschluss des Amperemeters an der Batterieklemme oder der Karosseriemasse 

 

Fehlersuche durch "Ziehen" der einzelnen Sicherungen

 

Beispiel (BMW-Modell) Ruhestromverlauf 

Adapterklemme Marke "Eigenbau" 

Alle Bilder: @Dörfler-Elektronik

Ruhestrommessung mit dem Voltmeter

Messen des Spannungsabfalls an einer Sicherung

 

Befindet sich das Fahrzeug im "Schlafmodus" kann eine kurzeitige Änderung (Leitungsunterbrechung, Bewegung etc.) dasn Bordnetzsystem zum "Einschalten bzw. Hochfahren"  veranlassen was bei einer Ruhestrommessung nicht erwünscht ist. Soll dieser Effekt vermieden werden, ist eine Messung des Ruhestroms über eine Spannungsmessung sinnvoll. Dabei wird an der Sicherung des verdächtigen Stromkreises der Spannungsabfall gemessen.

Da die Sicherung einen kleinen Widerstand besitzt, fällt bei einem bestimmten Stromfluss auch eine Spannung an der Sicherung ab. Widerstand und gemessener Spannungsabfall an der Sicherung ergeben nach dem ohmschen Gesetz den Stromfluss durch die Sicherung bzw. des entsprechenden Zweiges.

 

Achtung! Bei der Messung des Spannungsabfalls ist hohe Konzentration, sorgfältiges Arbeiten und ein genaues Messgerät unbedingt notwendig. So entspricht ein  (zu hoher) Stromfluss von 100 mA über eine 30A-Sicherung (2 mOhm) ein Spannungsabfall von etwa 200µV (0,2mV)!! Aus diesen Grund sind Spannungswerte unter etwa 1mV mit Vorsicht zu betrachten. Nicht zuletzt deshalb, da das Messgerät neben den üblichen Messfehler noch einen "Digit-"Fehler an der letzten Stelle besitzt.

 

Unter Daten & Tabellen werden die einzelnen Widerstandswerte der Sicherungen und der dazugehörige Spannungsabfall bei den unterschiedlichsten Stromflüssen dargestellt.

 

Ruhestrommessung II - Tipps & Tricks, Fehlersuche und Ursachen als pdf

 

 

Ruhestrommessadapter RSM-1

 

Kurz- und Langzeitmessungen lassen sich mit dem RSM-1 durchführen, ohne das das Gerät ständig im Auge behalten werden muss. Ein Überschreiten des zuvor  eingestellten Stromwertes wir akustisch über ein Signalton signalisiert.

Weitere Informationen hier...